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Quo vadis, Social Media?

In einem kürzlich veröffentlichten Artikel, wird die Frage aufgeworfen, ob der Niedergang von Social Media schnell genug kommen könne.

Auslöser der Debatte scheint unter anderem eine in der Community mit Missgunst beobachtete Entwicklung bei dem bedeutendsten Dienst im Web 2.0, Twitter, zu sein, die erste Abgesänge auf das Netzwerk laut werden lässt.

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Viele Nutzer fühlen sich hintergangen, seit klar ist, wie Twitter den geschätzten Dollar, den jeder Twitterer pro Jahr verursacht, ( circa 200 Millionen) deckt: Es verkauft den Zugriff auf seine Datenbank.

Obwohl der Sinn und Zweck von Twitter ist, Informationen zu veröffentlichen, war vielen Nutzern anscheinend nicht klar, in welchen Umfang das geschieht. "Aus vielen Einzelinformationen lassen sich völlig neue Erkenntnisse ableiten – im Zweifel auch solche, die mehr über die Nutzer verraten, als ihnen lieb ist."

Aber nicht nur der Verkauf der Daten nervt viele, Haydn Shaugnessy nervt die Dauernutzung der Geräte besonders. Als ehemaliger Partner in einem Social Media Unternehmen, beschreibt sich der U.S. Amerikanische Autor aber durchaus nicht als a priori contra Social Media eingestellt. Nur, die Auswirkungen, die die Dauernutzung der mobilen Endgräte (Smartphone im Bett, iPad im Kino) auf sein Privatleben habe, könne er nicht länger hinnehmen. Aber irgendwie müssen die Informationen ja zu den Diensten kommen. Grund genug, mal genauer hinzuschauen, wann das alles angefangen hat:

Rückblick

Haydn Shaughnessy ist sich sicher: Wurzel allen Übels ist der Blog. Der Blog gab Autoren, bzw. denen, die sich dafür hielten, aber bis dato der Eintritt zu richtigen Redaktionen verwehrt blieb, die Möglichkeit, sich der Welt mitzuteilen, und so ihre Reputation auszubauen. Die meisten von ihnen waren keine richtigen Journalisten, sondern Freelancer aller Fachgebiete, die versuchten, ihre Meinungen und Geschichten über bestimmte Themen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und so ihre Karriere voranzutreiben. Dann geschahen zwei Dinge, die die Blog-Kultur in eine andere Richtung als die Intendierte drängten:

  • Als Erstes etablierte sich in dem als demokratischem Mikrokosmos gedachten Etwas eine Hackordnung, die die Szene in "Celebrity-Blogger" auf der einen Seite und "den ganzen Rest" auf der anderen teilte.
  • Als nächstes entwickelte sich eine neue Antriebskraft, aus der in den Usern das Bedürfnis zu folgen und die Bereitschaft, ein Monarchie-ähnliches digitales Paralleluniversum zu tolerieren, erwuchs.

Als dann auch noch große Unternehmen und Zeitungen anfingen, den Blog-Markt mit gut recherchierten und hintergründigen Nachrichten zu füllen, stellte sich jedem, der immer noch auf den finanziellen Erfolg wartete, die Frage: Weitermachen wie bisher oder aufhören?

Ab 2007, fährt der Autor fort, nahm das seriöse Bloggen zumindest in Zahlen ab. Was sich allerdings änderte, war die Ansicht, dass das Blogging die Meinungen der Leser maßgeblich beeinflussen könne. Das Bild des Bloggers als kleinem Revoluzzer verschwand. Gleichzeitig begann die Bedeutung von Sozialen Netzwerken, Mikroblogs und Frage- und Antwort Foren, hier: Quora ("bietet einen ähnlichen Livestream wie Twitter, sieht dabei aus wie ein Blog und hat Twitters Follower-Prinzip übernommen"), zu steigern.

Der Blog als Meinungsbildner…

Diese Medien- und Kommunikationskanäle können jedoch nicht als Meinungsmacher verstanden werden. Dass sie in Zeiten politischer Umbrüche, wie während des Arabischen Frühlings, die Organisation von Widerstand ermöglichten, ist unumstritten. Sie sind mächtig, aber keine Meinungsbildner.

Das Problem scheinen also nicht die Kanäle selbst zu sein, sondern die Zwanghaftigkeit, mit der sie teilweise besiedelt werden. Die Räume werden von manchen Nutzern und Folgern in einer Art und Weise genutzt, die ungesund scheint. Während die reale Welt um sich herum ausgeblendet wird, vergraben sich manche Menschen in ihrem Smartphone, in der virtuellen Welt. Deshalb wird Social Media als potentiell suchtgefährdend bezeichnet, und täglich erscheinen neue Studien zum Thema.

Darum, fährt der Autor fort, habe er sein Smartphone abgegeben. Weil er es im Bett benutzte, und, weil die Kommunikation von zu viel unternehmerischer Präsenz durchdrungen ist.

…oder Werbeplattform?

Was er damit meint, ist, dass es schwierig ist, werbefreie Seiten zu finden. Was im Umkehrschluss bedeutet, folgert er, wenn man gelesen werden will, muss man sich Gedanken über SEO machen und darüber, welche Überschrift die Leser, die man anspricht, am ehesten zum Weiterlesen animiert, damit viele User erreicht werden und Firmen auf den Seiten werben wollen.

Aber sollte man nicht immer versuchen, seine Zielgruppe bestmöglich zu bedienen? Ist eine hohe Reichweite nicht ein Zeichen von Qualität? Und denkt nicht jeder Autor, egal welches Medium er bedient, darüber nach, welche Überschrift am meisten Lust auf das Folgende macht?

Aussichten

Wie man es dreht und wendet, wen die Omnipräsenz von sozialen Netzwerken, deren Einflussnahme auf das Privatleben und nicht zuletzt das ständige der Werbung Ausgesetztsein beziehungsweise der Verkauf der eigenen Daten stört, dem bleibt wie dem Autor, nichts anderes übrig, als seine eigene Nutzung von Online-Diensten zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen. Denn selbst wenn man, in diesem Beispiel bei Twitter, keine andere Lösung als den Verkauf von Daten zur Generierung von Gewinnen findet, wird das mit Sicherheit nicht das Ende von Social Media bedeuten. Myspace gibt es ja auch immer noch. Nur, dass die meisten Nutzer eben zu Facebook gewechselt sind.

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3 Kommentare

  1. John

    Verfasst am 14. November 2012 um 10:05 Uhr.

    „… dem bleibt wie dem Autor, nichts anderes übrig, als seine eigene Nutzung von Online-Diensten zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen.“

    Und genau das macht der mündige Mensch seit je her mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kanälen für Kommunikation.

    Momentan ist diese Herausforderung flächendeckend klarer denn je, meine ich.

  2. Matthias

    Verfasst am 14. November 2012 um 12:58 Uhr.

    Ein sehr guter Artikel! Ich persönlich mache aber eine klare Trennung zwischen Blogs (Web2.0) und Social Media.

    Web2.0 bedeutet für mich, dass der normale User nicht mehr nur Komsument ist, sondern auch vernünftigen Content produziert. Ein Prosument quasi.

    Social Media geht für mich davon wieder einen Schritt zurück. Zwar bestehen die Daten komplett aus usergeneriertem… Zeugs, aber „Content“ kann man das in meiner Sprache nicht nennen. So schön sich Social Media geschäftlich auch nutzen lässt, der Großteil ist belangloses Geplänkel. Zumindest bei den Blogs, die ich lese und die von persönlichen „ich war heute shoppen“-Tagebüchern abweichen, steht die Qualität ganz klar vor der Quantität und sie sind eine echte Bereicherung für das Web.

    Das würde mich nicht weiter stören, wenn Social Media (mit Ausnahme von Twitter) nicht die Blogosphäre zerstören würden. Twitter ist deshalb eine Ausnahme, weil die Verbreitung darüber immer noch auf meine Seite führt. Ich finde es aber furchtbar, dass man kurzfristigen Traffic größtenteils über Facebook generiert und – noch schlimmer – die Leute den Artikel im Blog lesen, aber bei Facebook kommentieren. Das killt jede Diskussion im Blog und auch jeden langfristigen Werterhalt. Denn wie oft ist ein Artikel über z.B. Coding auch nach Jahren noch interessant, wenn sich in den Kommentaren dazu weitere Möglichkeiten ergeben.

    Bei Facebook aber verschwindet jeder Post zu einem Blog nach gefühlten 5 Stunden unter dem Aufmerksamkeits-Radar der Social-Media-Zombies. Wenn es nicht so furchtbar wäre, dass man für bestimmte Zwecke und Benutzer- und Altersgruppen nicht um Facebook herumkommt, hätte ich mich dort auch schon lang abgemeldet. Twitter dient mir auch nur noch als Multiplikator für meine Blogs.

  3. Rufus

    Verfasst am 25. Dezember 2012 um 9:00 Uhr.

    Selbst wenn einige Facebook Posts nach wenigen Stunden wieder verschwunden sind, so sollte social media als Suchmaschinenmarketing nicht unterschätzt werden. Jede Internetagentur, weiss dass eine gute SEM-Kampagne die Conversion Rare erhöht.

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