3 Webdesigner, 3 Standpunkte: Photoshop vs. Fireworks vs. InDesign

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Es gibt Fragen die polarisieren. Apple oder Samsung? Coke oder Pepsi? Fireworks oder Photoshop? Oder vielleicht doch lieber InDesign? Ich bin der Meinung, man sollte das Tool nutzen, in dem man sich am wohlsten fühlt. Unabhängig davon ob das Programm ursprünglich für den Einsatz im Webdesign gedacht war und vorausgesetzt, dass die Qualität des Projekts nicht leidet. Doch warum schwören einige Webdesigner auf Photoshop und andere auf InDesign, Illustrator oder Fireworks? Ich habe die Webdesigner Ivo Mynttinen, David Hellmann und Christian Seitz gefragt und interessante Antworten erhalten. 

Seminar: Responsive Web Design für Konzeptioner, Projektleiter und Designer

In diesem Seminar lernen Sie alle Aspekte von Responsive Design kennen, ohne dabei tiefer als notwendig in die technischen Details einzusteigen.

Berlin, 29. + 30. September 2016
Berlin, 22. + 23. November 2016

Bitte stelle dich unseren Lesern kurz vor und erzähle uns welche Art von Projekt du normalerweise bearbeitest

Ivo Mynttinen

Ich bin ein 20-jähriger User Interface Designer. Momentan wohne ich in Nürnberg. Seit etwa einem halben Jahr bin ich selbständig und entwerfe für meine Kunden (meist Startups aus der Bay-Area) innovative Designkonzepte für Webapps, Mac Apps und iOS Apps. Seitdem ich 15 bin experimentiere ich mit (damals noch Macromedia) Fireworks und konnte mir so ein sehr solides Wissen über mein favorisiertes Design-Tool, sowie einige andere Programme der Creative Suite aneignen.

David Hellmann

Ahoi! Ja namentlich nennt man mich David Hellmann und sonst bin ich im anonymen Internet meist unter dem Namem: davidhellmann zu finden! Wenn ich nicht vor einem Bildschirm sitze fahre ich oft ein wenig Rad. Früher BMX heute dann eher MTB.

Ivo Mynttinen, David Hellmann, Christian Seitz (v.l.)
Ivo Mynttinen, David Hellmann, Christian Seitz (v.l.)

Meistens gestalte ich Websites was für mich heißt, dass ich in Photoshop gestalte und teilweise später auch noch den HTML/CSS Part mit übernehme. Kommt aber immer auf das einzelne Projekte an. Eines meiner letzten Freelance Projekte war Deutsches Obst und Gemüse wo ich für den Designpart verantwortlich war: www.deutsches-obst-und-gemuese.de

Nett oder? :)

Christian Seitz

Hallo, ich heiße Christian Seitz und arbeite als freiberuflicher Grafik-Designer für Digital- und Printmedien. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf umfangreicheren Publikationen wie Katalogen oder Magazinen im Printbereich. Nebenbei blogge ich auf herrseitz.de über Themen rund um Fotografie, Mountainbike, Skifahren und Workflows aus dem Mac-User-Alltag.

Hast du einen bestimmten gestalterischen Stil? Inwiefern unterstützt dich „dein“ Programm dabei?

Ivo Mynttinen

Wer ein wenig Zeit damit verbringt, sich meine Arbeiten auf meinem Portfolio anzusehen, wird schnell feststellen, dass ich stark darauf achte, Benutzeroberflächen sauber und einfach zu gestalten. Gerne verliere ich mich jedoch auch in Details, die sehr häufig das „gewisse Extra“ meiner Arbeiten ausmachen. Auch wenn es sich stark nach einem Klischee anhört, inspirieren mich die Designs von Apple, allerdings auch Arbeiten von Agenturen wie z.B. MetaLab oder Softfacade.

Portfolio Ivo Mynttinen
Portfolio Ivo Mynttinen

Fireworks bietet mir genügend Möglichkeiten, um solide Designs zu erstellen, eignet sich aber auch hervorragend dafür, mal eben ein erweitertes Mockup zu erstellen. Den größten Vorteil von Fireworks sehe ich allerdings darin, dass ich persönlich damit extrem viel Zeit sparen kann - gerade weil hier viele Dinge einfach anders angegangen werden als z.B. mit Photoshop.

David Hellmann

Ich glaube der ändert sich immer mal bzw. hängt auch das stark vom Projekt/Kunde ab. Da ich ja wie oben schon erwähnt Photoshop als MEIN Programm sehe kann ich nur sagen das ich mit Photoshop immer das Gefühl habe alles machen zu können. Egal ob clean oder verspielt. Ich finde in Photoshop einen weg. Bei anderen Programmen kam mir das nicht so vor. (Die gelbe Hölle!!! :)

Es wird nicht grundlos sein, dass wohl die meisten mit Photoshop arbeiten, oder?

Christian Seitz

Wenn mich das Briefing nicht in eine bestimmte stilistische Richtung lenkt, bin ich ein Fan von klarer, reduzierter und funktionaler Gestaltung, die durch gute Typographie, stimmige Proportionen und einem klaren Ordnungssystem – am Besten mit viel Weißraum – überzeugt.

Mein Programm der Wahl ist Adobe InDesign. Es kommt mir durch die Möglichkeit der einfachen Einrichtung auch komplexerer Rastersysteme in horizontaler als auch vertikaler Richtung entgegen. Ich weiß, dass ist nichts weltbewegendes und schon lange vorhanden, aber ich finde es immer wieder hilfreich beim Aufbau neuer Layouts. Überhaupt bin ich ein Fan des numerischen Gestaltens, sprich viele Objekte werden mit Hilfe der Koordinaten/Transformieren-Palette final platziert.

Benutzeroberfläche von InDesign CS6
Benutzeroberfläche von InDesign CS6

Wie ist es dazu gekommen, dass du dieses Programm nutzt?

Ivo Mynttinen

Fireworks war das erste „Bildbearbeitungs“-Programm, was mir in die Hände kam. Bereits nach den ersten Stunden konnte ich für damalige Verhältnisse gute Ergebnisse erzielen. Gerade die steile Lernkurve ist wohl einer der Gründe, weshalb ich nach wie vor Fireworks-Nutzer bin.

David Hellmann

Gruppenzwang! Klarer Fall. Ganz früher hatte ich noch PaintShop Pro 7 wenn ich mich recht erinnere. War eigentlich auch ganz cool. Aber sind wir ehrlich. Man kommt an Adobe Sachen einfach nicht vorbei im professionellen Umfeld. Und da Photoshop halt verbreiteter ist als andere Sachen bin ich schlussendlich auch dort gelandet. Bereut habe ich es nicht.

Christian Seitz

Ich arbeite am Liebsten mit Programmen, die ich gut und schnell und vor allem aus dem FF bedienen kann. Das ist bei mir mit InDesign der Fall. Meist muss es ja im Job schnell gehen und da finde ich das Umdenken von InDesign nach Photoshop – vor dem Hintergrund des Entwerfens und mit Deadlines im Nacken – eher störend.

Deshalb bin ich mehr froh als skeptisch, dass Adobe die Software immer mehr zum crossmedialen Layoutwerkzeug ausbaut. Kommt mir entgegen. Sehr.

Bezogen auf Webdesign - was sind für dich die Vorteile des Programms?

Ivo Mynttinen

Die Möglichkeit, alle Seiten eines Projekts unkompliziert in einer Datei zu bearbeiten und die Tatsache, dass in Fireworks fast ausschließlich mit Vektor-Elementen gearbeitet wird.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Benutzeroberflächen für unterschiedliche Auflösungen (z.B. iPhone und iPad Apps) fast ohne nachträgliches Verbessern von Details skaliert werden können. Außerdem sagen mir die Layer-Styles sehr zu, welche sich 1:1 zu CSS3 konvertieren lassen.

David Hellmann

Wie oben geschrieben habe ich einfach das Gefühl an keine Grenzen zu stoßen bei dem was ich mache. Das ist für mich wichtig. Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass ich mich wohl fühle mit dem Programm. Auch ich hatte das ein oder andere mal schon Fireworks auf, aber kam damit einfach nicht wirklich zurecht. Vielleicht auch eine Sache der Gewöhnung aber wer weiß, vielleicht sind wir auch einfach nicht für einander gemacht :)

Die Website von "Deutsches Obst und Gemüse" wurde in Photoshop gelayoutet
Die Website von "Deutsches Obst und Gemüse" wurde in Photoshop gelayoutet

Christian Seitz

Am Besten finde ich, mehrere Seiten mit unterschiedlichen Größen in einem Dokument anlegen zu können und bei einem Wechseln zwischen Print und Online nicht umdenken zu müssen.

Welche Webdesign-Aufgaben bewältigt das Programm nicht optimal?

Ivo Mynttinen

Sobald es darum geht, aufwendigere Illustrationen zu erstellen, ist man mit Photoshop eindeutig besser dran. Ich bin der Meinung, dass man mit Fireworks absolut alles machen kann, was auch in Photoshop geht - nur steigt der Aufwand enorm, wenn man beispielsweise detaillierte Icons erstellen möchte.

David Hellmann

Es sind eher so Kleinigkeiten… Die fehlende Möglichkeit, dass man den Eckradius von Vektor-Objekten nicht nachträglich ändern kann. Das sind zwar Kleinigkeiten, würden aber oft großes bewirken. Etwas sehr gutes gibt es seit CS6 ja nun endlich "Pixel Snapping"!!! :) Letztendlich wird jedes Programm immer irgendwelche Schwächen haben bzw. Sachen die man als nicht optimal empfindet. Aber das ist ja völlig normal.

Christian Seitz

Ich finde, den Export von Grafiken für die Umsetzung könnte man noch optimieren.

Was stört dich an anderen Programmen?

Ivo Mynttinen

Die direkte Konkurrenz Photoshop ist mir zu unflexibel und zu aufwendig. Sketch 2, ein relativ neues Programm, welches Fireworks sehr nahe kommt aber erfrischende Konzepte mit einbringt, die man in einem Adobe Programm wohl niemals erwarten darf, ist mir momentan noch zu instabil.
Eventuell werde ich, sobald sich das geändert hat, dennoch den Schritt gehen von Fireworks zu Sketch zu wechseln.

Screenshot von Sketch 2 - Quelle / Copyright: Sketch
Screenshot von Sketch 2 - © Sketch

David Hellmann

Stören direkt nichts. Ich finde einfach ich hab mich nie damit wohl gefühlt wenn ich es genutzt habe. In Photoshop arbeitet man ja viel mit Ebenen in Fireworks sind diese zwar auch da aber haben da nicht so den Stellenwert wie in Photoshop. Klar, ein Fireworks Mensch der zu Photoshop kommt wird wohl das gleiche anders herum sagen. Für mich gibt es aktuell einfach keinen Grund auf ein anderes Programm zu wechseln.

Ach was mich bei Fireworks immer aufgeregt hat war, dass man die Werte (Breite einer Box z.B.) nicht mit den Pfeiltasten ändern konnte sondern immer tippen musste :)

Christian Seitz

Wie oben schon erwähnt, stört mich in erster Linie das Umdenken in der Bedienung. Wobei ich bei „anderen Programmen“ an Photoshop, Fireworks oder Illustrator denke. InDesign arbeitet objektorientiert, Photoshop eher ebenenorientiert. Hat beides seine Daseinsberechtigung. Aber ich kann – und hab's auch nicht wirklich intensiv probiert – auf Ebenenbasis nicht gestalten.

Illustrator ist InDesign noch am ähnlichsten – deshalb komm ich damit wahrscheinlich auch prima klar.

Zu Fireworks kann nicht besonders viel sagen. Hab ich nur mal oberflächlich probiert.

Nutzt du ergänzende Plugins, Tools oder andere Programme für die Erstellung deiner Designs? Wenn ja in welchen Bereichen?

Ivo Mynttinen

Ich verwende keine zusätzlichen Plugins. Für diverse Aufgaben nutze ich natürlich Photoshop und selten auch Illustrator.

David Hellmann

Photoshop Plugins:

Andere Apps:

  • Pochade, ein globaler Colorpicker der sich in der Menüleister versteckt. Ist super!
  • WhatFont: Super Chrome Plugin
Guide Guide Photoshop-Plugin
Guide Guide Photoshop-Plugin

Christian Seitz

Ja. Ich verwende zwar InDesign für die Layoutarbeit, aber ergänzenden Aufgaben, beispielsweise das Entwickeln von Buttons, Schriftzügen oder Icons mach' ich in Illustrator.
Bilder bearbeite, retuschiere oder optimiere ich in Photoshop und Text für Webseiten schreibe ich in iA Writer. In InDesign wird das dann alles vermixert. ;-)

Welche Features würden deinen Webdesign-Workflow beschleunigen? Was wünschst du dir für kommende Programmversionen?

Ivo Mynttinen

Mehr Stabilität, eine überarbeitete Benutzeroberfläche, bessere Gesten-Unterstützung sowie Optimierungen für Retina Screens wären ein Anfang. Leider hielt sich Adobe bei den letzten Major-Updates mit neuen Features immer stark zurück, weshalb ich relativ wenig Hoffnung habe, all diese Features in der nächsten Version zu sehen.

Benutzeroberfläche von Fireworks CS6
Benutzeroberfläche von Fireworks CS6

David Hellmann

  • Die Möglichkeit Eckradien nachträglich zu ändern für Vektorobjekte.
  • Eine Art Bibliothek in Photoshop wäre auch ganz cool denke ich. Sowas wie es in Flash gibt in der Art.
  • Cloudsync für die Settings. Das wäre toll :) Auch das Mustern, Pinsel etc. alles in der Cloud abgelegt wird und man überall das gleiche findet.

Christian Seitz

Schwierige Frage. Ich komm' so eigentlich ganz gut zurecht. Was ich verbessern würde, wäre eventuell die Farbpalette bzw. das Farbraum-Management. Man kann im Moment noch ganz leicht RGB und CMYK Farben vermischen, was ich weder im Webdesign noch bei Print-Projekten sinnvoll finde. Die Exportfunktion für Grafiken würde ich verbessern oder sogar eine Slice-Funktion einführen.

Weitere Features würde ich mich im Moment gar nicht fordern trauen, da ich mich noch nicht mal richtig mit den ganzen neuen Features von InDesign CS6 auseinander gesetzt habe – ausgenommen die PDF-Formularfunktion. Die find ich schon erste Sahne. ;-)

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